Datenatlas, Stand 23. August 2026

Wenn MaschinenMathematik bewegen.

Wie viel Forschung entsteht? Wo hilft KI wirklich? Und was ist Fortschritt, aber noch kein Beweis? Ein visueller Atlas aus Messwerten, Schätzungen und überprüfbaren Ereignissen.

M MesswertS SchätzungE Ereignis

Messwerte sind gezählt. Schätzungen hängen von einer Methode ab. Ereignisse gelten nur unter den jeweils genannten Bedingungen.

Messwert

3.141.677

Einreichungen seit 1991

arXiv meldete am 23. August 2026 exakt diese Zahl neuer, direkt eingereichter Arbeiten. Das ist fast π × eine Million und ein schöner Zufall, keine mathematische Aussage.

arXiv: monatliche Einreichungen
Ausgewählte Januare

Der Strom wird breiter

+182 %
arXiv-Einreichungen im Januar, 2016 bis 2026Die Zahl stieg von 8.251 im Januar 2016 auf 23.286 im Januar 2026.201620182020202220242026

Gleicher Monat, zehn Jahre Abstand. So wird der saisonale Effekt kleiner. Der Anstieg beweist nicht, dass KI ihn verursacht hat.

Gezählt
Neue direkte arXiv-Einreichungen. Mit migrierten Arbeiten waren 3.144.108 Artikel verfügbar.
Gilt für
arXiv seit August 1991, nicht für die gesamte weltweite Forschungsliteratur.
Nicht daraus folgt
Keine Aussage über Peer Review, Qualität, Zitationen oder den Anteil von KI.
Einordnung

Die zentrale Datenlücke

Wie viele Papers wurden mit KI geschrieben?

Eine belastbare Gesamtzahl gibt es nicht.
01

Keine globale Meldung

Autorinnen und Autoren erfassen KI-Hilfe nicht weltweit nach einer einheitlichen Regel.

02

Nur Korpus-Schätzungen

Studien beobachten verschobene Wortmuster in großen Textsammlungen, keine sicheren Einzelfälle.

03

Art der Hilfe unbekannt

Übersetzen, Glätten, Umschreiben und inhaltliches Erzeugen lassen sich nicht zuverlässig trennen.

Liang et al.: LLM-Nutzung in Fachgebieten
Schätzung

Bis zu 22 % – aber nicht 22 % ganze Paper

Eine peer-reviewte Studie untersuchte 1.121.912 Preprints und veröffentlichte Arbeiten. Für Informatik schätzte sie bis zu 22 % LLM-veränderte Inhalte, für Mathematik und das Nature-Portfolio bis zu 9 %.

Die ehrliche KurzfassungDie Methode betrachtet Wortfrequenzen ganzer Gruppen. Sie klassifiziert kein einzelnes Paper und erkennt nicht, welche Art von Hilfe genutzt wurde.
Liang et al.: LLM-Nutzung in Fachgebieten
22 %Informatik, bis zu

Datengrundlage: arXiv, bioRxiv und Nature-Portfolio, Januar 2020 bis September 2024

Methode
Populationsschätzung aus Veränderungen der Wortfrequenz, nicht klassische KI-Texterkennung.
Vergleich
22 % und 9 % sind obere Schätzwerte verschiedener Fach- und Publikationsgruppen.
Bleibt unbekannt
Welches einzelne Paper betroffen ist und ob KI nur Sprache oder auch Inhalt veränderte.
Schätzung6,5–16,9 %

Geschätzter LLM-Anteil im Review-Text

Das ist die Spannweite von vier verschiedenen KI-Konferenzen, keine Unsicherheitsspanne. Geschätzt wurde der Textanteil, der stärker als nur durch Rechtschreibung verändert wurde.

Liang et al.: KI in Peer Reviews
0 %10 %20 %
6,516,9

CoRL 6,5 %, NeurIPS 9,1 %, ICLR 10,6 %, EMNLP 16,9 %

Untersucht
Reviews bei ICLR 2024 sowie NeurIPS, CoRL und EMNLP 2023 nach dem Start von ChatGPT.
Geschätzt
Textanteil auf Ebene des gesamten Bestands. Die Spanne zeigt Konferenzunterschiede, keine Fehlermarge.
Nicht daraus folgt
Kein sicherer Nachweis für ein bestimmtes Review, eine Person oder deren Absicht.
Messwert

Offene Mathematik wird maschinenlesbar

Der offene Benchmark „Formal Conjectures“ übersetzt Forschungsfragen in Lean 4. Ein Computer kann damit jeden formalen Beweisschritt prüfen. Die 2.615 Einträge sind formale Aussagen, nicht 2.615 verschiedene ursprüngliche Forschungsprobleme.

2.615 Aussagen
  • 1.029offene Forschungsfragen
  • 836gelöste Forschungsfragen
  • 750Varianten, Tests und weitere Aussagen
291

Korrigierte Fehlformalisierungen

Das sind bereits behobene Fälle. Sie zeigen, warum maschinelle Prüfbarkeit allein nicht genügt.

Falsch dargestellt48 %
Bedeutungsfehler35 %
Vier weitere Fehlerklassen17 %
Lebender Bestand
Der offene Datensatz wächst und wird korrigiert. Stabile Modellvergleiche brauchen eingefrorene Versionen.
Lean prüft
Ob ein Beweis exakt zur formalen Aussage passt und keine verbotenen Lücken enthält.
Menschen prüfen weiter
Ob die formale Aussage tatsächlich dasselbe meint wie die ursprüngliche mathematische Frage.
Formal Conjectures Benchmark
Ereignis

Internationale Mathematik-Olympiade

Zwei starke Ergebnisse, zwei verschiedene Tests

2024 lösten AlphaProof und AlphaGeometry 2 vier Aufgaben. 2025 löste eine fortgeschrittene Gemini-Version fünf Aufgaben unter der offiziellen Zeitgrenze. Die Punktzahlen sind sichtbar ähnlich, die Systeme und Prüfbedingungen aber nicht direkt vergleichbar.

202428/42
Silber-Niveau

Drei von fünf manuell in Lean übersetzten Aufgaben plus die Geometrieaufgabe, zwei bis drei Tage

202535/42
Gold-Niveau

5 von 6 Aufgaben, natürliche Sprache, 4,5 Stunden, internes Modell

„Silber“ und „Gold“ sind nachträgliche Vergleiche mit den jeweiligen menschlichen Punktgrenzen, keine offizielle Teilnahme der Systeme.

IMO 2024
28 von 42 Punkten. Gold begann bei 29, Silber bei 22; 609 Menschen nahmen teil.
IMO 2025
35 von 42 Punkten. Gold begann bei 35; 72 von 630 Teilnehmenden erhielten Gold.
Beleggrenze
Ein Wettbewerbsergebnis zeigt keine allgemeine Forschungsfähigkeit oder dauerhafte Zuverlässigkeit.
Ereignis

Fortschritt ist nicht dasselbe wie Lösung

AlphaEvolve wurde auf mehr als 50 ausgewählte offene Probleme angewendet, die sich als Programm ausdrücken und automatisch bewerten ließen. Die veröffentlichten Angaben unterscheiden Wiederfinden und echten Fortschritt.

≈75 %

Besten bekannten Stand wiedergefunden

20 %

Besten bekannten Stand verbessert

Nicht: 20 % der Probleme vollständig gelöst.

Voraussetzung
Eine mögliche Lösung muss als Programm darstellbar und durch einen automatischen Bewerter messbar sein.
Quelle
Die gerundeten 75 % und 20 % stammen aus dem Bericht des Systemanbieters Google DeepMind.
Nicht daraus folgt
Keine Erfolgsquote für offene Mathematik allgemein und keine vollständige Lösung von 20 % der Probleme.
Google DeepMind: AlphaEvolve

Drei Fundstücke

Wenn Suche zu Entdeckung wird

Ereignis2023

512 Punkte in einem endlichen 8D-Raum

FunSearch fand in F₃⁸ eine größere Cap-Set-Konstruktion: keine drei Punkte liegen dort auf einer gemeinsamen Linie. Das ist ein endlicher mathematischer Raum, nicht gewöhnliche Geometrie.

2,2180 → 2,2202Untergrenze der Cap-Set-Kapazität

Einordnung: Der 512er-Fund erschien in 4 von 140 Läufen. Die bessere asymptotische Grenze entstand erst nach menschlicher Deutung und einer zweiten, engeren Suche.

Nature: FunSearch
Ereignis2022

Mehr als 70 Matrix-Rekorde

AlphaTensor verbesserte den besten bekannten Stand für mehr als 70 konkrete Multiplikationstensoren. Der bekannte 4×4-Fund gilt für binäre Arithmetik, also Zahlen im endlichen Körper F₂.

49 → 47skalare Multiplikationen für 4×4-Matrizen über F₂

Einordnung: Die mehr als 70 Rekorde betreffen konkrete, endliche Multiplikationsaufgaben. Sie sind nicht mit 70 neuen großen mathematischen Sätzen oder üblichen reellen Matrizen gleichzusetzen.

Nature: AlphaTensor
Ereignis2026

Eine 80 Jahre alte Vermutung fällt

Ein internes OpenAI-Modell widerlegte die Vermutung, dass quadratische Gitter für das planare Einheitsabstandsproblem im Wesentlichen optimal sind.

1946 → 2026Beweis extern von Mathematikern geprüft

Einordnung: Das System war intern und der technische Bericht stammt vom Anbieter. Externe Fachleute prüften den Beweis; das Ergebnis betrifft genau diese eine Schrankenvermutung. Die optimale Größenordnung des Problems bleibt weiterhin offen.

OpenAI: Unit-Distance-Widerlegung
40,3 %historischer Lauf
Benchmark

40,3 % – ein historischer, nicht aktueller Wert

OpenAI meldete am 11. Dezember 2025 für GPT-5.2 Thinking 40,3 % auf FrontierMath Tier 1 bis 3. Die genaue damalige Fassung wurde nicht genannt. Deshalb ist die Zahl kein heutiger Modellstand.

Ein Benchmark zeigt Leistung auf genau diesem Test. Er beweist weder allgemeine mathematische Zuverlässigkeit noch Forschungsautonomie.

Testprotokoll
Python und hoher Denkaufwand waren erlaubt. Bewertet wird eine überprüfbare Antwort, nicht immer ein vollständiger Beweis.
Große Korrektur 2026
Version 2 bearbeitete Fehler in 42 % der Aufgaben, korrigierte 123 Kernaufgaben und entfernte fünf. Übrig blieben 295.
Zugang und Vergleich
OpenAI finanzierte den Benchmark und hatte exklusiven Zugriff auf einen Teil. Nur gleiche Versionen und Regeln sind vergleichbar.

Was bleibt?

KI macht die Suche schneller. Wahrheit bleibt prüfbar.

01

Ideen

Modelle können Hypothesen, Programme und neue Konstruktionen vorschlagen.

02

Prüfung

Code, formale Systeme und Fachleute prüfen unterschiedliche Teile der Aussage.

03

Verantwortung

Quellen, Grenzen und Beitrag der KI müssen sichtbar bleiben.